Wohnen in der Stadt von Morgen

Die Welt verändert sich – rasant, sichtbar, für jeden spürbar. Urbanisierung und Gentrifizierung sind Prozesse, die unmittelbaren Einfluss auf das Zusammenleben und Wohnen haben. Städtische Ballungsräume wachsen nach Fläche und Dichte mit der Folge, dass Wohnraum knapper und immer teurer wird bzw. die verfügbare Wohnfläche absolut und pro Kopf abnimmt. Darauf muss die Einrichtungsbranche, vordringlich die Möbelindustrie, zeitnah passende Antworten finden.

„Modernes Wohnen“ widerspiegelt immer gesellschaftliche Prozesse und Zusammenhänge. Mit den weltweiten Migrationsströmen, der Urbanisierung in Industrie- und Schwellenländern, der Konzentration verfügbarer Ressourcen auf Ballungszentren oder dem sehr bewussten Haltungswandel mit Blick auf Selbstreduktion und Nachhaltigkeit sind völlig neue Denkansätze für Arbeiten, Wohnen und Leben in naher Zukunft gefordert.

Zu diesen Denkansätzen zählen „Tiny Spaces“-Konzepte. Sie optimieren Wohnfläche, gerade dort, wo nur wenig davon zur Verfügung steht. „Soziodemografische Veränderungen in Altersstruktur und kultureller Zusammensetzung, immer stärkere Forderungen an Flexibilität im Beruf, weiter steigende Mietpreise in den Städten, technische Aufrüstung: es höchste Zeit, darüber nachzudenken, wie Wohnungen auf kleinstem Raum Qualität, Großzügigkeit und Atmosphäre erreichen“, erläutert Prof. Dipl.-Ing. Ulrich Nether von der Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe.

Vier seiner Studentinnen haben deswegen gemeinsam mit Designscout Katrin de Louw Lösungsideen und Designkonzepte für Innenausbau und Möbel auf kleinem und kleinstem Raum entwickelt. Lena Klein-Erwig, Mascha Großmann, Jessica Neumann, Tessa Sieker sowie Celina Stiehl aus dem Innenarchitektur-Masterkurs von Prof. Ulrich Nether und Ricarda Jacobi an der Hochschule OWL stellen in diesem Kontext ihre ganz eigenen, radikal verdichteten Einrichtungs- und Gestaltungskonzeptionen vor. Präsentiert werden sie im Rahmen einer Sonderfläche auf der ZOW 2018.

Vier Projektideen für großartiges Wohnen auf kleinem Raum

Lena Klein-Erwig verblüfft mit einem Kofferschrank als „Herrendiener des Feierabends“. Ihr Wohnmodell soll modernen Berufsnomaden maximale Freiräume und mehr private Erlebenszeit ermöglichen. Der mittig im Raum platzierte Schrank aus hellem Kirschholz wird von den umliegenden Objekten im „Tiny Space“ unterstützt – um den abendlichen sowie morgendlichen Ablauf perfekt zu gestalten. Mascha Großmann dagegen präferiert die Wandelbarkeit von Räumen. Unwichtig ist ihr dabei, wie viel oder wenig Platz vorhanden ist: Sie will dagegen Emotionen wecken für ein großartiges Raumgefühl. Folglich stehen Übergänge von öffentlichen zu privaten Bereichen im Fokus, um für alle Situationen die richtige Atmosphäre zu schaffen.

Minimalistisches Wohnen zu zweit ist das große Thema für Jessica Neumann und Tessa Sieker. Ihr System sogenannter „Interior Cases“ ermöglicht Käufern eine unbeschwert mobile Lebensweise, denn gemietete Wohnungen lassen sich in wenig Zeit in ein sehr persönliches Zuhause verwandeln. Drei Kernelemente definieren ihr Einrichtungsexperiment: Mobilität, Minimalismus und Wertigkeit. Celina Stiehl schließlich rückt die Wohnsituation einer Alleinerziehenden mit Kind in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen. Highlight ist ein massiver, multifunktionaler Ahorn-Tisch auf einem fiktiven, wabenförmigen Grundriss. Dank einer VR-Brille werden zudem eine zweite Etage für den Nachwuchs sowie Küche und Treppe erlebbar.

Verdichtung als Top-Thema für Möbel- und Interiormessen

Die Studentinnen genossen bei ihrer Entwicklungsarbeit maximale Freiheiten – so überraschend werden dann auch die präsentierten Ergebnisse sein, ob als Platzspar-, Komfort-, Sicherheits- oder Universal-Design-Lösung. Ob die Sonderfläche künftig die Maßstäbe für perfektes Wohnen auf kleinstem Raum setzt, hängt allerdings maßgeblich von der Akzeptanz und Unterstützung von Zulieferunternehmen und Möbelherstellern ab. Die ZOW und die imm cologne 2018 werden auf dem Weg dorthin weitere Impulse setzen.